„Bis zu 90 % förderfähig.“
Dieser Satz steht auch auf unserer Website. Er stimmt. Und er beantwortet trotzdem nicht die Frage, die Sie eigentlich haben: Was bleibt am Ende bei mir hängen?
Denn ein Zuschuss ist keine Gutschrift. Wer ihn nutzen will, stellt einen Antrag, führt Nachweise und hat Arbeit, die in keinem Angebot als Posten auftaucht. Das ist kein Grund, Förderung zu meiden. Es ist ein Grund, vorher zu rechnen.
Was „bis zu“ tatsächlich bedeutet
Die Prozentzahlen bei Förderprogrammen sind Obergrenzen. Welcher Satz für Sie gilt, hängt vom Programm ab, von Unternehmensgröße, Rechtsform und Standort und vom Vorhaben selbst. Die Weiterbildungsförderung für Solo-Selbstständige (KOMPASS) hat andere Obergrenzen als die BAFA-Beratungsförderung oder das Landesprogramm „Fit für die Zukunft“ in Nordrhein-Westfalen. Die aktuellen Werte finden Sie auf unserer Fördermittel-Seite. Bund, Länder und Kammern ändern ihre Bedingungen regelmäßig, deshalb prüfen wir den Stand immer projektbezogen.
Dazu kommt: Auf eine Bewilligung besteht in der Regel kein Anspruch. Auch das gehört zur ehrlichen Rechnung.
Der Antrag: mehr als ein Formular
Am Anfang stehen Angaben zu Ihrem Unternehmen: Größe, Rechtsform, Standort, Vorhaben. Dazu verlangen viele Programme eine Beschreibung der geplanten Leistung. Oft genügt eine kleine Agenda in Stichpunkten, aber sie muss stehen, bevor es losgeht.
Das klingt nach wenig und ist doch eine echte Hürde. Sie müssen sich über Inhalt, Ziel und Ablauf der Beratung Gedanken machen, bevor die eigentliche Arbeit beginnt. Das ist oft sogar nützlich, aber es kostet Zeit, und diese Zeit fällt an, bevor Sie irgendeinen Nutzen sehen.
Hinzu kommt bei vielen Programmen die Reihenfolge: Der Antrag muss häufig gestellt oder bewilligt sein, bevor das Projekt startet. Wer sofort loslegen will, hat dafür nicht immer den Spielraum. Welche Regel für Ihr Programm gilt, klären Sie am besten vor dem ersten Gespräch mit dem Anbieter.
Dokumentation und Berichtslegung
Nach dem Antrag kommt der Nachweis. Wie umfangreich er ausfällt, unterscheidet sich je nach Programm erheblich. Mal reicht ein kurzer Bericht, mal braucht es detaillierte Dokumentation der erbrachten Leistungen. Teilweise gibt es inhaltliche Vorgaben, an denen sich Berichte und Unterlagen orientieren müssen.
Passt etwas nicht, fordert die prüfende Stelle Korrekturen ein. Das kostet Zeit auf beiden Seiten, und je nach Programm kann sich dadurch auch die Auszahlung verzögern.
Wichtig ist hier nicht, dass der Aufwand existiert. Wichtig ist, dass er vorher bekannt ist.
Die Zeit, die niemand auf die Rechnung schreibt: Ihre
Der Aufwand auf Anbieterseite ist nur die eine Hälfte. Auch bei Ihnen gibt es Hausaufgaben:
- Unterlagen zum Unternehmen zusammenstellen
- Rückfragen zum Antrag beantworten
- Nachweise liefern, wenn der Projektabschluss ansteht
Das sind keine Großprojekte. Aber es sind Stunden, die Sie oder jemand in Ihrem Team aufbringen müssen, meist zusätzlich zum Tagesgeschäft. Sie gehören in die Kalkulation, auch wenn sie in keinem Angebot stehen.
Was das mit der tatsächlichen Förderquote macht
Viele Dienstleister rechnen den Aufwand für Antrag und Nachweis in ihr Honorar ein. Das ist nicht verkehrt, denn die Arbeit muss bezahlt werden. Es hat aber eine Folge: Es senkt die tatsächliche Förderquote.
Ein fiktives Rechenbeispiel zur Veranschaulichung, mit bewusst einfachen Zahlen:
|
Ohne Förderung |
Mit Förderung (50 %) |
| Beratungsleistung |
4.000 € |
4.000 € |
| Administration auf Anbieterseite (Antrag, Nachweis) |
– |
500 € |
| Leistungspreis gesamt |
4.000 € |
4.500 € |
| Zuschuss (50 %) |
– |
− 2.250 € |
| Ihr Eigenanteil |
4.000 € |
2.250 € |
| Ihre eigene Zeit (5 Stunden à 80 €) |
– |
400 € |
| Gesamtaufwand für Sie |
4.000 € |
2.650 € |
| Ersparnis |
– |
1.350 € (rund 34 %) |
Aus einem Zuschuss von 50 % werden in diesem Beispiel rund 34 % Ersparnis. Wir unterstellen dabei vereinfachend, dass der Verwaltungsaufwand im Honorar enthalten und mitgefördert ist. Ob das zutrifft, hängt vom Programm ab.
Das ist kein Trick, sondern Mathematik. Der Aufwand für Antrag und Nachweis wächst meist nicht im gleichen Maß wie das Projekt. Bei einem größeren Vorhaben verteilt er sich auf mehr Honorar, bei einem kleinen Vorhaben frisst er einen großen Teil des Vorteils. In Extremfällen bleibt am Ende fast nichts übrig.
Warum wir den Aufwand offenlegen
Wer als Anbieter eine bezuschusste Leistung verkauft, hat einen Vorteil: Die Zahl „bis zu 90 %“ verkauft sich von allein. Genau deshalb halten wir es für nötig, dass Sie wissen, was dahintersteckt.
Johannes Röder ist als Berater beim BAFA gelistet, wir kennen die Anforderungen. Deshalb sagen wir Ihnen vorab, welche Voraussetzungen, Fristen und Nachweise ein Programm verlangt, damit Sie einschätzen können, ob sich der Aufwand lohnt. Das Angebot erstellen wir passend zu den Förderbedingungen, inklusive der Leistungsbeschreibung, die für den Antrag gebraucht wird. Und wir legen offen, wie viel Zeit in Antrag und Nachweis fließt.
Wann eine Förderung nicht in Frage kommt
In unserer Praxis fällt die Entscheidung ab und zu gegen die Förderung. Typische Gründe:
- Das Projekt ist sehr klein. Der feste Aufwand für Antrag und Nachweis frisst den Zuschuss weitgehend auf.
- Der Starttermin lässt sich nicht verschieben. Wenn der Antrag vor Projektbeginn bewilligt sein muss, Sie aber jetzt anfangen wollen, passt das nicht zusammen.
- Die Kapazität für Nachweise fehlt. Wenn niemand in Ihrem Unternehmen Zeit hat, Unterlagen zu liefern und Rückfragen zu beantworten, wird aus der Entlastung eine Belastung.
- Die Vorgaben passen nicht zur Leistung. Wenn ein Programm inhaltliche Vorgaben macht, die den Kern der Beratung verbiegen würden, ist die Förderung teurer, als sie aussieht.
Dann lautet unsere Empfehlung: ohne Förderung direkt „richtig“ starten. Das ist ein gutes Ergebnis, denn es spart beiden Seiten Aufwand und bringt Sie schneller ins Tun.
Wann sich eine Förderung lohnt
Genauso klar: Es gibt viele Fälle, in denen sie sich lohnt. Meist sind es Vorhaben mit ausreichendem Umfang, einem planbaren Starttermin, jemandem im Unternehmen, der die Nachweise führen kann, und einem Anbieter, der das Programm kennt. Dann kann ein Zuschuss das Projektbudget spürbar entlasten, und der Aufwand steht in einem vernünftigen Verhältnis dazu.
Drei Fragen, die Sie vor dem Antrag stellen sollten
Wie viel Aufwand steckt auf Anbieterseite in Antrag und Nachweis, und wie ist er im Preis berücksichtigt? Ein seriöser Anbieter kann das beantworten. Wer ausweicht, hat die Rechnung selbst nicht gemacht oder möchte sie nicht zeigen.
Wie viel Zeit brauche ich selbst, und wer kümmert sich bei mir darum? Schätzen Sie ehrlich. Fünf Stunden verteilt auf mehrere Wochen sind etwas anderes als fünf Stunden, die Sie nirgends mehr unterbringen.
Was bleibt nach Abzug von Zuschuss und eigener Zeit übrig, verglichen mit dem Start ohne Förderung? Diese Gegenüberstellung entscheidet. Sie braucht keine komplizierte Rechnung, nur ehrliche Zahlen auf beiden Seiten.
Der Punkt, auf den es ankommt
Förderung ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Sie kann ein Projekt erst möglich machen oder deutlich bezahlbarer, aber nur dann, wenn die Rechnung vorher aufgeht. Die Frage ist deshalb nicht „Gibt es einen Zuschuss?“, sondern „Was bleibt am Ende bei mir?“.
Und diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn Antrag, Dokumentation und Ihre eigene Zeit auf dem Tisch liegen, bevor Sie beantragen.
Haben Sie schon einmal eine Förderung beantragt? Was hat mehr Zeit gekostet, als Sie erwartet hatten?
Wenn Sie wissen möchten, wie das bei Ihrem Vorhaben aussieht: Im Förder-Check im Erstgespräch rechnen wir es in rund 20 Minuten mit Ihnen durch. Er kostet Sie nichts, und im besten Fall ist das Ergebnis auch ein ehrliches „Das lohnt sich hier nicht“.
Hinweis: Wir informieren über Förderprogramme im Rahmen unserer Beratungsleistung. Eine Rechts- oder Steuerberatung ist damit nicht verbunden, und ein Anspruch auf Bewilligung entsteht dadurch nicht.
Johannes Röder
Diplom-Betriebswirt, Online Marketing Manager (IHK), BAFA-gelisteter Berater. Gründer von Akquise-Helfer – Schwerpunkt strategische Telefonakquise für KMU.